Viele Wege führen nach YIP! Manche der 40 Teilnehmer aus 16 verschiedenen Ländern kommen von der anderen Seite der Welt, Neuseeland, andere aus Palästina, wieder andere aus Südafrika oder Peru, auch Schweden ist vertreten und natürlich Europa mit Schweiz, Deutschland, Belgien, Holland, Finnland, Island, Irrland, Norwegen. Wir alle sind einen Weg gegangen. Mein Weg ging von unserer Haustür mit dem Fahrrad über Worms, Fulda, Göttingen, Hannover, Celle nach Rostock und von Rostock über Trälleborg und Växjö nach Järna.
Diese zwei Wochen habe ich auf meinem Weg alleine verbracht und konnte mich ganz stark auf das Jetzt und die Orte konzentrieren.
Das Jahr hier in YIP begann mit einer Reihe von Lagerfeuerabenden! Das Thema der ersten zwei Wochen war ein Craftvillage zu bauen und uns bei der praktischen Arbeit kennenzulernen. Wir werden das ganze Jahr über die Möglichkeit haben, mit Holz zu werken, zu schmieden, auch plastizieren ist möglich oder steinmetzen.
Die Woche darauf war das Thema Portfolio. Sehr trocken für so einen Anfang aber sehr passend, da wir so eine Methode haben, das Jahr für uns zu dokumentieren. In dieser Woche haben wir mehrere Rundtouren gemacht in die Umgebung Järnas. Es gibt hier sehr viele Unternehmen, die mit sozialen Ideen und Zielen arbeiten und jeder dieser Plätze gibt uns das Angebot mitzuarbeiten (community engagement). Diese Woche war für mich nicht einfach, da ich nicht zufrieden damit, diese Orte einfach zu besuchen. Ich wollte voll getroffen und inspiriert sein und Lust haben, sofort mit den Arbeiten anzufangen...Ich glaube das war die grösste Herausforderung in den ersten Wochen, dass ich hier war und an jedem Ort hier (sei es unser Garten, sei es das Meer, die Ekobanken oder sogar unsere Galerie...) eine Chance und Möglichkeit sah, aber nicht von ihr inspiriert war. Das war hart (ist immer noch so), denn nach so viel Vorbereitung auf YIP und so viel Vorfreude und inneren Bildern, an dem Ort jetzt selbst zu stehen und keinen Ruf zu spühren, war nicht einfach. Ich glaube es hat etwas damit zu tun, dass ich nun in der Realität stehe und alle Visionen und inneren Bilder umsetzen muss, um das "exitment" auch hier vor Ort zu empfinden. Ich bin also wirklich noch ganz am Anfang: Ort kennen lernen, Verbindungen schaffen, Menschen treffen und kleine Schritte, Miniinitiativen starten...Das wird noch eine ganze Weile so gehen, das ist gut!
Die vierte Woche war das Thema Food and Nutrition; für mich ging es darin hauptsächlich um die Schönheit der Nahrung und das Wie beim Essen. Es war eine spannende Herangehensweise an das Thema, denn wir schauten uns Salatblätter an, anstatt Tabellen der Substanzen zu studieren. Nachmittags wurde zusammen gekocht. Heute hatten wir eine Arbeitsgruppe zum Wochenreview. Es war spannend wie verschieden wir an das Thema herangehen und wie gut wir diese Verschiedenheiten zusammenbringen konnten. Das Wochenende werde ich mit Ausruhen verbringen und Vorbereitung auf die Woche mit Orland Bishop! Er arbeitet mit uns an dem Thema Mentoring und ich glaube es wird sehr intensiv für unsere Gruppe, da er ganz stark mit Gruppenprozessen arbeitet. Seine Arbeit in Los Angeles basiert auf dem Mentorsein für Gangmitglieder und führende Gewalttätige. Er scheint damit sehr erfolgreich zu sein.
Während meiner Reise hierher war ich sehr klar und glücklich und konnte einfacher auf Begegnungen eingehen und Kontakt halten, da ich nicht so mit mir beschäftigt war. Jetzt bin ich wieder in einem inneren Kampf, wie ich es bisher immer war bevor ich wieder finden konnte. Heute hatten wir den Gedanken, dass der Mensch die Welt schafft durch Dialog, also durch das Zusammenbringen von verschiedenen kleinen "Einzelwelten". Wir nahmen das Beispiel der Buchstaben: Wenn sie alleine stehen und nicht zusammengebracht werden haben sie keinen Sinn.
R
O E
N G
A
Wenn wir sie aber zusammenbringen entsteht ein Bedeutung, es entsteht ein Welt.
ORANGE
In meinem Leben bis jetzt hatte ich immer Zeiten von Krisen und Zeiten ohne dem Gefühl von Sinn. Und dann wieder Zeiten von grosser Bedeutung und Sinn, und dem Gefühl, das alles zusammen passt und ich ein Teil eines Ganzen bin. Mal kommt alles was ich gelernt habe, was ich bin, was ich suche, was ich weiss und nicht weiss, was ich liebe, was für mich da ist, was lange Gegensatz schien, was sinnlos war, zusammen und wird eine Welt.
A beautiful orange.
Wenn ich aber in der "Krise" bin, fällt die Welt auseinander. Da ich sehr frei von Äusserem bin, bleibt dann nicht viel bis nichts übrig, woran ich glauben und festhalten könnte. Alles was in mir als Erfahrung, Wissen, Glaube, Sicherheit, Wunsch, Vision war und zusammen gehörte und klar war, fällt auseinander. Sogar meine Ideen in "Zukunft Jetzt" werden bezweifelt und scheinen sinnlos. Die grosse Frage entsteht: Was ist der Sinn?
Und genau in dieser Krise bin ich gerade wieder. Aber ich kann aus Erfahrung heraus gespannt sein, was danach kommt, was für eine Welt ich schaffen werde. (Auch bei der Jahresarbeit brauchte ich eine Zeit des Suchens, um auf Eigenes zu kommen.)
Es fällt mir gerade schwer die Kontakte zu halten, weil auch die Welten, die uns verbinden, auseinander fallen. Hier ist aber ein Versuch Euch zu zeigen was ich mache.
Ganz liebe Grüsse aus Schweden,
Philip